Eine Qual – Die Besteigung des Cotopaxi

Nachdem wir unser kleines Training abgeschlossen haben, ging es am 21.12. abends in den Parque Nacional Cotopaxi. Auf knappen 4000m verbrachten wir noch eine Nacht im Zelt um möglichst viel zu akklimatisieren. Am Tag drauf trafen wir unseren Führer, verrichteten die letzten Vorbereitungen um endlich am Freitag in der Nacht den Cotopaxi zu besteigen. Ob wir oben ankommen?

Zelten im Nationalpark Cotopaxi

Zusammen mit Sara fuhren wir Donnerstag Mittag in den Nationalpark des Cotopaxis. Bei einem Refugio auf etwa 4000m setzte sie uns ab. Hier konnten wir zelten und die nächsten 24 Stunden uns noch ein wenig akklimatisieren. Zu dritt schlugen wir also unser Zelt auf, aßen eine Kleinigkeit und versuchten ein Feuer zu entfachen. Jedoch vergeblich. Es nieselte immer wieder ein wenig und das Holz war einfach zu nass. Stattdessen durften wir einen Fuchs aus nächster Nähe sehen. Er suchte vermutlich nach Essen, aber die Angst war doch zu groß, um uns näher zu kommen.

wilder Fuchs
Der Fuchs hat Hunger

Obwohl Ausruhen angesagt war, konnten wir unsere Wanderlust nicht ganz zügeln und mussten zumindest ungefähr eine Stunde auf eine Anhöhe hinauflaufen. Denn wir wollten unbedingt einen Blick auf den Cotopaxi werfen können, der sich leider sehr im Nebel befand. Und tatsächlich, nach einer Weile sah man kleine Teile des Berges, der Gletscher glitzerte durch die Wolken hindurch und uns erfüllte ein Gefühl des Stolzes und der Aufregung. Wir waren nicht mehr weit entfernt. Schon bald würden wir da oben auf dem Gipfel stehen. Zumindest ist das der Plan.

Cotopaxi im Abendlich
Cotopaxi bei Sonnenuntergang

 

Mit dem Rückweg zum Zelt mussten wir uns ein wenig beeilen, da es schon langsam dunkel wurde. Wieder unten, machten wir uns noch schnell etwas zu essen und verkrochen uns dann sofort in unsere Schlafsäcke. Mit Pulli, Jacke, Mütze und Hose. Es wurde nämlich deutlich kälter als wir gedacht haben und nur so konnten wir uns wirklich warmhalten.

Zelt unter Bäumen
Zelten auf 4000m

Am nächsten Tag in der früh gegen neun Uhr standen wir auf. Ganze zwölf Stunden haben wir somit geschlafen. Das sind schon einmal gute Voraussetzungen. Beim Frühstück unterhielten wir uns ein wenig mit zwei Amis, die diese Nacht auch hier gezeltet haben. Ein ganzes Jahr Reisen haben sie vor, und das in der ganzen Welt. Nicht schlecht, wo die das Geld für mal eben zehn Tage Australien hernehmen?

Selfie von uns mit zwei Amis
Mit den Ami-Kollegen

Auch heute konnten wir einer kleinen Wanderung nicht widerstehen, bevor wir unseren Führer trafen. Also bestiegen wir nochmal eine kleine Anhöhe, etwas weiter weg und etwas höher.

 

Wieder zurück, aßen wir zu Mittag und vertrieben uns die Zeit bis die zwei Führer mit Sara, die auch mit auf den Cotopaxi wollte, kamen. Ursprünglich sollten wir gegen zwölf Uhr abgeholt werden. Doch erst gegen 14 Uhr tauchte der Wagen auf, der Fünfsitzer, in den wir uns mit allem Gepäck nun zu sechst reinquetschten. Zusammen fuhren wir nun zu der Tambopaxi Hütte, die wir selbst ursprünglich mal gebucht hatten, um dort noch ein wenig auszuruhen, bevor es schließlich losgeht.

Der Vulkan Cotopaxi aus der Ferne
Der Vulkan in voller Pracht

Wir machten noch eine kleine Testtour mit den ausgeliehenen Schuhen, aßen zu Abend und legten uns um acht Uhr ins Bett. Zwei Stunden Schlaf waren es bis wir um zehn Uhr abends wieder aufstanden. Noch einmal gab es eine Kleinigkeit zu essen, ein „Frühstück“, bis wir uns gegen elf Uhr endlich auf den Weg machten. Mit dem Auto fuhren wir noch ein Stück weiter hinauf zu einem Parkplatz, machten uns fertig und los ging’s!

Der Cotopaxi

Sehr sehr langsam begannen wir den Aufstieg. Zuerst ging es lange das Geröll hoch, jeder lief mehr oder weniger in seinem Tempo. Schon recht bald merkte ich, dass mir mein Rucksack zu schaffen machte. Er war nicht sehr schwer, so viel hatte ich nicht dabei. Jedoch tat mir dadurch der Rücken an einer Stelle weh. Ich musste mich wohl verlegen haben, konnte man da aber auch nicht weiter ändern. Einer der Führer war so nett und nahm mir ein wenig Gepäck ab, danach ging es zumindest ein bisschen besser.

Nach einiger Zeit kamen wir dann endlich an den Gletscheranfang. Cons und ich seilten uns mit einem Führer zusammen, Robin und Sara mit dem anderen. Wir schnallten unsere Steigeisen an die Schuhe und nahmen die Eispickel in die Hand. Wir waren voll ausgerüstet, jetzt konnte es richtig losgehen. Noch langsamer als zuvor liefen wir nun auf dem Gletscher entlang. Ziemlich schnell hatten Robin, Sara und deren Führer einen großen Vorsprung, aber genau deswegen hatten wir uns auch in diesen Gruppierungen zusammengetan.

Robin und ein Führer
Die Jungs frieren sichtlich

Weiter trotteten wir vor uns hin. Es war viel zu kalt, der Wind pfiff uns um die Ohren. Besser nicht stehen bleiben, sonst friert uns noch alles ab. Die Luft wurde außerdem auch immer dünner und der Rucksack und die Rückenschmerzen machten sich immer deutlicher bemerkbar. Wobei die Schmerzen halb so wild waren, viel schlimmer war, dass es mir so noch schwerer zu atmen viel, als es, durch die Luft bedingt, eh schon war. Auch Constantin schwächelte bereits. Leichte Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und große Müdigkeit machten ihm zu schaffen. Wir quälten uns trotzdem noch weiter.

Doch irgendwann bei 5450m kam der Punkt, an dem es nicht mehr ging. Bei Cons noch viel weniger, aber ich fühlte mich auch nicht gerade wohl. Als schließlich die Aussage kam, dass es bis ganz oben noch ganze drei Stunden sind, war mir klar, vielleicht schaffe ich noch ein bisschen, aber sicher nicht alles. Also begaben Cons, unser Führer und ich uns hier auf den Rückweg. Alles wieder zurück zum Parkplatz.

Constantin in voller Montur
Cons in voller Montur

Gerade beim Rückweg merkte ich auch, dass ich es eher nicht bis nach oben geschafft hätte. Mir nahm der Rucksack die Luft weg und ich musste immer öfter stehen bleiben um wieder tief durchzuatmen. Der Schluss des Abstiegs war fast härter als der Punkt an dem wir umgekehrt hatten.

 

Kaum saßen wir im Auto auf dem Rückweg, war Cons auch schon eingeschlafen. Der Arme, der begeisterte Bergsteiger und ihn machte allein die Höhe so sehr zu schaffen. Während Cons in der Hütte weiterschlief, machte ich es mir auf einem der Sofas gemütlich, trank einen Kakao, einen Kaffee und erwartete die Rückkehr der Anderen.

Gegen elf Uhr am Morgen kamen schließlich auch die anderen zurück. Sie waren tatsächlich ganz oben. Doch selbst Robin meinte, obwohl es da oben dann ziemlich cool war, weiß er nicht, ob sich die Qual davor gelohnt hatte.

Robin am Gipfel des Cotopaxi
Robin am Gipfel des Cotopaxi

Rückzug

Das war’s dann leider wohl. Wir sind weit gekommen und hatten ein sehr tolles Erlebnis, auch wenn wir leider nicht alle ans Ziel gekommen waren. Vielleicht hätten wir doch lieber erst ein leichteres Ziel nehmen sollen. Die Erfahrung mit voller Ausrüstung über einen Gletscher zu laufen war es aber auf jeden Fall wert.

Mit den Führern vor dem Auto
Die Bergsteiger nach der Tour in Quito

Also fuhren wir wieder zurück in unsere Unterkunft. Wir konnten uns ein Weilchen ausruhen, Billard spielen und nochmal ausruhen. Bevor es dann auf die lange Busfahrt über Nacht wieder nach Guayaquil ging, haben wir uns mit einem Ständchen bei unserer Gastfamilie bedankt und durften sogar noch ein paar Stunden unseren eigentlichen Hoster kennenlernen.

Gruppenbild mit unserer Gastfamilie
Gruppenbild mit unserer Gastfamilie

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